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Magazin Biologie und Umwelt Ende des „Wissenschaftlichen Walfangs“ gefordert

21.
Jun
2009
Ende des „Wissenschaftlichen Walfangs“ gefordert
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Berichte - Biologie und Umwelt

In 2008 weltweit über 1500 Wale erlegt

© Nat. Geogr. Stock/Mike Parry © Nat. Geogr. Stock/Mike Parry

WWF kritisiert Stimmenkauf durch Japan

Anlässlich der am Montag beginnenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) auf Madeira, fordert die Umweltschutzorganisation WWF ein Ende des sogenannten „Wissenschaftlichen Walfangs“. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation erlegte die japanische Walfangflotte im vergangenen Jahr unter fadenscheinigem, wissenschaftlichem Vorwand über 900 Wale, darunter auch bedrohte Arten wie Sei- und Finnwale. „Viele Walpopulationen stehen als Folge der intensiven Bejagung der vergangenen zwei Jahrhunderte noch immer am Abgrund. Ihr Überlebenskampf wird durch den unnötigen Anachronismus des wissenschaftlichen Walfangs nur noch weiter verschärft“, warnt WWF-Experte Volker Homes. Wer die Meeressäugetiere studieren und wirklich wissenschaftlich untersuchen wolle, der müsse sie nicht töten. Ingesamt wurden in der vergangenen Jagdsaison von Norwegen, Island und Japan über 1500 Wale erlegt, obwohl es seit 1986 einen weltweiten Fangstopp (Moratorium) auf alle Großwalarten gibt. Hinzu kommen jedes Jahr hunderttausende Delphine, Tümmler und Wale, die in Fischernetzen ertrinken oder bei Schiffskollisionen ums Leben kommen. Auch die Folgen des Klimawandels setzen einigen Walarten zu, da sie durch eine globale Erwärmung ihre polaren Lebensräume und Rückzugsgebiete zu verlieren drohen.

Der WWF kritisiert, dass bereits seit vielen Jahren auf den Tagungen der IWC hauptsächlich um Mehrheiten geschachert wird. Dabei haben die Walfangbefürworter in der Vergangenheit an Rückhalt gewonnen. Allerdings hat Japan bereits vor einigen Jahren öffentlich zugegeben, Entwicklungsländern Geld zu bieten, damit sie in die IWC eintreten und dort im Sinne des Walfangs stimmen, obwohl sie daran eigentlich nicht interessiert sind. Inzwischen haben Gegner und Befürworter einen nahezu identischen Stimmenanteil. „Die inhaltliche Arbeit ist in den letzten Jahren durch die Pattsituation in der IWC fast vollständig zum Erliegen gekommen“, kritisiert Volker Homes. „Die Ächtung des wissenschaftlichen Walfangs wurde durch die gekauften Stimmen bisher stets verhindert.“

 

Der WWF fordert neben einem Ende des sogenannten wissenschaftlichen Walfangs ein Verbot der Waljagd in Meeresschutzgebieten, wie etwa der Südpolarregion. Außerdem dürften keine bedrohten Arten mehr erlegt werden. „Die Bundesregierung muss sich für eine Reform der IWC einsetzen und sich darum bemühen, Lösungen für die Probleme der Wale und Delphine zu finden“, fordert Volker Homes.

 

Norwegen und Japan subventionieren Waljagd mit Steuermitteln. / Ende des internationalen Walfangs gefordert. 

© WWF © WWF

Die Regierungen von Norwegen und Japan subventionieren die umstrittene Jagd auf Wale mit Steuergeldern. Das ergab eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF in Zusammenarbeit mit der Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS). Demnach ist das Jagen und Töten von Walen ein unprofitabler und defizitärer Industriezweig. „In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise ist es weder strategisch klug, noch nachhaltig, wertvolle Steuergelder für eine Branche zu verschwenden, die aus eigener Kraft nicht überlebensfähig ist“, sagt WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Trotz des Moratoriums und dem weitgehenden Verbot von kommerziellem Walfang erlegen Japan und Norwegen jährlich rund 1500 der großen Meeressäuger.

 

Dabei betrug in Norwegen die staatlichen Förderungen fast die Hälfte des Bruttowerts, den die Fischerei-Handelsorganisation Rafisklaget durch den Absatz von Walfleisch erwirtschaftet hat. Ökonomisch ähnlich schlecht steht es um die Walfangflotte der Japaner: Die Regierung in Tokio hat allein in der Saison 2008/2009 rund 12 Millionen US-Dollar an Steuergeldern in die umstrittene Jagd gepumpt um eine ausgeglichene Bilanz zu erzielen. Insgesamt beliefen sich die japanischen Subventionen der vergangenen zwanzig Jahre auf 164 Millionen US-Dollar. Demgegenüber steht eine sinkende Nachfrage: So fiel der Preis pro Kilogramm Walfleisch in Japan von 30 US-Dollar im Jahr 1994 auf rund 16 US-Dollar im Jahr 2006. Hinzu kommen negative Auswirkungen wie etwa Handelsboykotte oder Schäden für den Tourismussektor. „Japan und Norwegen verschwenden Millionen von Steuergeldern, um aus einer Trotzhaltung Wale zu jagen. Damit schaden sie zugleich einer zunehmend profitablen Einnahmequelle, der sanften Nutzung von Walen durch deren Beobachtung.“ sagt Nicolaus Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland. Anlässlich der kommenden Montag beginnenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) auf Madeira fordern WWF und WDCS ein Ende der Jagd auf Wale.

 

Die Studie des unabhängigen Wirtschaftsinstituts „eftec“ im Auftrag des WWF und der WDCS analysierte die direkten und indirekten Kosten, die mit dem Walfang und der Verarbeitung und Vermarktung von Walprodukten in Verbindung stehen.

Quelle: WWF

 

 

 

 

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