30. Apr 2010 |
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Nebst klimatischen, chemischen und künstlichen Einflüssen wird auch Unterwasserlärm immer mehr zur akuten Bedrohung für Delphine, Wale und andere Meeresbewohner. Massnahmen sind dringend angezeigt, denn die Tiere stehen unter Dauerstress oder werden durch Lärm gar getötet, was sich auf die Artenvielfalt im Meer verheerend auswirken kann. Dank verschiedenen Initiativen der Schweizer Walschutzkoalition – einem Zusammenschluss von OceanCare und dem Zürcher Tierschutz – findet die Sorge um den «Lärmangriff» unter Wasser zunehmend auch in politischen Gremien Gehör. "Wir Menschen dürfen die Meere nicht beliebig beschallen und damit das Leben in den Ozeanen gefährden," sagt Bernhard Trachsel, Geschäftsführer des Zürcher Tierschutz. "Vorsicht im Umgang mit Lärmemissionen ist dringend angezeigt. Besonders wichtig ist dabei die Schonung sensibler Meeresgebiete mit ihren Tierarten." Schall ist für viele Meeresbewohner der wichtigste Sinnesreiz. Unter der Wasseroberfläche nimmt die Sicht rapide ab und verliert sich in der Tiefe ganz. Die meisten Meerestiere, insbesondere Wale und Delphine, sind für Fortpflanzung, Nahrungsbeschaffung, Flucht vor Raubtieren und zur Orientierung unter Wasser deshalb auf Schall angewiesen. Unter Wasser breiten sich Schallwellen viel schneller aus, als an Land. Je nach Frequenz sind sie über hunderte, ja sogar tausende von Kilometern zu hören. Leider gilt das auch für den Lärm. Lärm kennt keine Grenzen, auch vor Schutzgebieten macht er nicht halt. Wenn Meeresbewohner unerträglichem Lärm ausgesetzt sind, haben sie ein Problem: Sie können sich die Ohren nicht zuhalten. Was komisch klingen mag, ist für die Tiere todbringende Realität. Nachvollziehbar ist dies wohl am ehesten für Menschen, die an Tinnitus, dem gefürchteten «Ohrenläuten», leiden und diesem inneren Pfeifen oder Brummton dauernd ausgesetzt sind. Nicht nur die aktive akustische Orientierung von Walen und Delphinen mittels Sonarsignalen wird durch den Lärm erschwert, auch das für Meerestiere überlebenswichtige passive Orten von Umweltreizen wird durch den höheren Hintergrundpegel zunehmend maskiert. Daraus resultiert eine verzerrte Wahrnehmung, die für die Bewohner der Meere unkalkulierbare Folgen hat.
Gefahr für BiodiversitätFische haben ebenfalls sehr empfindliche Hörorgane – äussere Trommelfelle und zur Wahrnehmung von Schwingungen niedriger Frequenzen die Seitenlinien – und können somit auch Gehörschäden erleiden. Wenn sie dem Lärm zu entfliehen versuchen, entvölkern sich mitunter ganze Gewässerzonen, mit entsprechenden Folgen für Menschen und Tiere, die sich von Fisch ernähren. Nachweislich betroffen sind unter anderem für die Fischerei wichtige Arten wie Thunfisch, Hering, Dorsch, Barsch, Seebrasse und Schellfisch. Studien belegen, dass die Fischfangquoten durch intensiven Lärm um 40 bis 80 Prozent einbrechen, weil die Fische abwandern oder sterben. "Dieser Umstand gefährdet die Nahrungssicherheit der Küstenvölker, welche auf die Proteinquelle aus dem Meer angewiesen sind," erklärt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. "Deshalb machten wir Vertreter der Welternährungsorganisation an der letzten Fischereitagung in Rom auf das Problem aufmerksam." Derzeit beziehen weltweit drei Milliarden Menschen tierisches Eiweiss aus dem Konsum von Fischen.
Wenn es in der Meereswelt immer lauter wirdDie Beschallung der Ozeane nimmt durch verschiedenste Quellen immer weiter zu. Dazu gehören der Motorlärm der wachsenden Zahl von Fracht-, Fischerei- und Privatschiffen, Baulärm in Küstengebieten, Geräusche von Ölbohrplattformen und Offshore-Windparks sowie der Explosionslärm von militärischen Anlagen oder seismischen Untersuchungen. Vor allem Schiffe, Militärsonare und Airguns zur Exploration von Bodenschätzen verbreiten über weite Distanzen extrem laute Schallemissionen und ziehen Meeressäuger und Fische ernsthaft in Mitleidenschaft. In bestimmten Meeresgebieten hat sich der konstante Schallpegel im Laufe der vergangenen sechzig Jahre in jeder Dekade verdoppelt.
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