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Magazin Physiologie und Medizin Warum muß ein aktiver Taucher viel Trinken?

21.
Apr
2006
Warum muß ein aktiver Taucher viel Trinken?
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Berichte - Physiologie und Medizin

Warum muß ein aktiver Taucher viel Trinken?

Gerade im Sommer, wenn es heiß ist, solltet ihr sowieso öfter mal einen über den Durst trinken. Das ist allgemein bekannt, aber immer wieder werde ich gefragt, warum gerade bei den Tauchgängen in den wärmeren Regionen und gerade ein Taucher viel Flüssigkeit zu sich nehmen soll.

Ohne Wasser läuft nichts in unserem Körper.

Das ist auch kein Wunder, denn er besteht bei einem Erwachsenen immerhin zu ca. 70% aus diesem Naß. Wie stark der Körper vom Wasser abhängig ist, zeigt die Tatsache, daß wir nur vier bis fünf Tage ohne Flüssigkeit, aber ca. 60 Tage ohne Nahrung auskommen können. Trotzdem meldet sich der Hunger viel schneller als der Durst: wahrscheinlich der Grund, warum wir häufig einfach vergessen, genug zu trinken.

Wasser ist als universelles Transportmittel Grundlage aller biologischen Vorgänge im menschlichen Organismus. Zwei Drittel der Wassermenge befinden sich in den Zellen. Der Rest fließt außerhalb der Zelle (als Blut und Lymphe), bringt Nähr- und Wirkstoffe sowie Sauerstoff in jede Zelle und transportiert Schadstoffe von der Niere ab. Außerdem brauchen wir - genau wie ein Auto - Wasser für unser biologisches Kühlsystem. Zwei Millionen Schweißdrüsen verdunsten Wasser auf der Haut, sobald wir ins Schwitzen kommen. Sie sorgen dafür, daß die Körpertemperatur trotz Anstrengung nicht so hoch ansteigt. Im Sommer sind zwei Liter Flüssigkeit pro Tag das Minimum.

Bei hoher Luftfeuchtigkeit, großer Hitze, wie es häufig bei einem Tauchurlaub der Fall ist und bei Anstrengung, wie Tauchequipment vorbereiten oder Warten auf den Buddy in Neopren, kann sich die benötigte Menge locker verdoppeln.

An Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit steigt der Schweißverlust beispielsweise an, weil die Schweißperlen einfach von der Haut abtropfen, anstatt dort zu verdampfen. Die Körperkühlung kann unter diesen Bedingungen nicht mehr effektiv arbeiten. Nach einer Stunde Vorbereitung zum Tauchgang in großer Hitze ist ein Taucher schnell um einen Liter Schweiß leichter. Manche Taucher klagen nach einem Tauchgang über Kreislaufprobleme und die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sinkt rapide ab. Die Ursache kann starke Unterversorgung mit Wasser sein.

Wer im Salzwasser taucht, muß wissen, daß auch dieses Medium zusätzlich den Körper dehydriert (Dehydration).

Allein durch die Atmung verlieren wir pro Tauchgang bis zu 0,3 l Wasser, weil wir sehr trockene Luft aus der Flasche atmen und diese in der Lunge beim Einatmen angefeuchtet wird. Diese Feuchtigkeit verläßt bei Ausatmung natürlich unseren Körper.

Durch die Körperlage beim Tauchen - dieser "Quasi-Schwerelosigkeit" - entsteht ein vermehrter Blutrückstrom in den Brustkorb. Dadurch werden die Nieren stimuliert, vermehrt Urin zu produzieren und so verlassen nach einem Tauchgang (bei so manchem auch während des Tauchgangs) bis zu 1,5 l Flüssigkeit beim "Pinkeln" unseren Körper. Wohlgemerkt - pro Tauchgang.

Deshalb ist es ganz wichtig, daß ein Taucher nicht schon "ausgetrocknet" ins Wasser geht und auch zwischen den Tauchgängen ausreichend trinkt.

Wenn die Wasserbilanz nicht stimmt, sendet der Körper in der Regel Durstsignale aus:
Lippen, Mund und Rachen sind trocken.

Jetzt allerspätestens nach etwas Trinkbaren Ausschau halten!

So richtig können wir uns aber nicht auf unser Durstgefühl verlassen.

Bei vielen Menschen kommt es zu spät oder ist nicht ausgeprägt genug. Besonders bei älteren Menschen wird das Durstgefühl mit den Jahren immer schwächer.

Einige Taucher meinen, wenn sie vor einem Tauchgang 2 Liter Kaffee trinken, um den Kater vom Vortag zu verscheuchen, haben sie ihrem Flüssigkeitshaushalt genüge getan.

Das ist leider ein großer Irrtum und hat schon zu vielen Tauchunfällen geführt.

Denn durch zu wenig Flüssigkeit im Körper dickt unser Blut ein und der durch den Tauchgang angereicherte Stickstoff in unserem Körper kann nicht mehr effektiv abtransportiert werden.

Dadurch erhöht sich das Risiko einer Dekompressionskrankheit.

Kaffee, schwarzer Tee oder Alkohol haben einen harntreibenden Effekt. Sie entwässern den Körper und schwemmen die wichtigen Mineralstoffe aus. Das heißt aber nicht, daß wir auf diese Getränke verzichten müssen (außer Alkohol), sie dürfen nur nicht zu den 2 Litern des Getränkekontos hinzugezählt werden.

Cola und Limonade eignen sich auch nicht, um einen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Weil sie enorme Mengen an Zucker enthalten, bleibt die Flüssigkeit lange im Magen, anstatt sofort dorthin zu gelangen, wo wir sie brauchen: ins Blut. Ein weiterer Minuspunkt ist ihr Mangel an Mineralstoffen. Ohne die kann das zugeführte Wasser im Körper nicht gebunden werden: Die Niere scheidet es ziemlich schnell wieder aus. Die enthaltene Kohlensäure kann während eines Tauchgangs zu Problemen führen. Die zugeführten Gase, die sich in Magen und Darm befinden, können die sogenannte Taucherkolik hervorrufen.

 

Empfehlenswert

  • Mineralwasser ohne Kohlensäure
    Sehr zu empfehlen, unterschiedlicher Gehalt an Mineralstoffen
  • Früchte und Kräutertee ohne Zucker
    Liefern Mineralstoffe und Vitamine, sehr gut
  • Leitungswasser
    In unserer Region hat es meist eine gute Qualität und kann als Trinkwasser genutzt werden. Im Ausland sollte auf das Trinken von Leitungswasser ganz verzichtet werden, oder informiert euch vor Ort über die Wasserqualität.
  • Sportlergetränke
    Schneller Flüssigkeitsausgleich, aber das Geld könnt ihr euch sparen. Viel zu teuer, den gleichen Effekt erreicht ihr durch Fruchtsaftschorlen.

 

Nicht empfehlenswert

  • Alkohol
    Nicht zum Ausgleich von Flüssigkeit geeignet, ganz im Gegenteil:
    Um den Alkohol zu verarbeiten, braucht der Körper sogar noch  mehr Wasser - deshalb der NACHDURST!
  • Kaffee, schwarzer Tee
    harntreibend, schwemmt Mineralstoffe aus, zählt nicht als Wasserzufuhr
  • Cola, Limonade
    Kohlensäurehaltig, künstliche Essenzen und Farbstoffe. Sehr viel Zucker, daher nur geringer Flüssigkeitsausgleich.

 

 
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