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Magazin Technik Der Frühjahrscheck - Es war einmal...

21.
Apr
2006
Der Frühjahrscheck - Es war einmal...
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Berichte - Technik

Es war einmal...
ein Taucher, der nach einem langen, langen Winter die ersten Strahlen der Frühlingssonne sanft auf seiner Haut spürte. "Wow", dachte er sich, "die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern, da könnte ich doch mal wieder ... tauchen gehn!".

Na klar, nur mal flugs in den Keller und das geliebte Tauchgerödel entstauben, alles ins Auto schmeissen und ab zum nächsten See.

War da noch was?

Ach ja, ein Buddy wäre nicht schlecht. Kein Problem im Handyzeitalter. Eine Gebühreneinheit später ist alles klargemacht und der Treff am See unter Dach und Fach.

Dort angekommen baut unser Taucher alles schnell zusammen (der etwas strenge
Geruch kommt doch nicht von meiner Ausrüstung, oder?") und ab gehts ins Wasser.
Hier stellt unser Freund aber leider fest, dass mit seiner Super-High-Tech-Ausrüstung offensichtlich doch nicht alles in Ordnung zu sein scheint. Schon in relativ geringer Tiefe bemerkt er den hohen Widerstand seines Atemreglers ("komisch, der hat im Urlaub vor ´nem halben Jahr doch noch einwandfrei funktioniert?"). Nicht ganz geheuer ist unserem Freund auch, dass er sein Jacket immer wieder nachtarieren muss ("ein paar Luftblasen sind doch da schon immer rausgekommen, oder?") Gerade rechtzeitig bemerkt er dann, dass er gerade dabei ist, seine linke Flosse zu verlieren, weil das Fersenband gerissen ist.
Unser Freund trifft die vernünftigste Entscheidung an diesem Tag und bricht den  Tauchgang ab. Am Ufer unterhält er sich dann mit seinem Partner über den verpatzten Tauchgang und ärgert sich über sich selbst, weil er es versäumt hat, seine Ausrüstung in Schuss zu halten. Wenigstens ist alles gut gegangen und niemand verletzt oder Schlimmeres.

So weit so schlecht...
Hier endet unser Märchen vom Taucher, der nach der Winterpause mal eben wieder tauchen gehen wollte. Aber bekanntlich steckt ja in jedem Märchen ein Körnchen Wahrheit.

Hat jemand vielleicht zufällig Ähnlichkeiten mit selbst erlebten oder  gehörten Begebenheiten entdeckt?


Dann solls hier ein paar Tipps geben, wie man prüfen kann, ob die Ausrüstung nach Winterpause noch in Ordnung ist. Wichtigste Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Equipment zuvor fachgerecht eingemottet wurde. Der Aufwand hierfür ist nicht besonders gross, kann aber dafür sorgen, dass sich die Wartungs- und Reparaturkosten später in Grenzen halten. Wir gehen dabei zunächst in der Reihenfolge vor, die wir auch für den Buddycheck
gelernt haben. Erinnert ihr euch noch an die Eselsbrücke "Taucher brauchen sehr viel Liebe"?
Jeder der Anfangsbuchstaben in diesem Satz steht dabei für die Überprüfung bestimmter Funktionsgruppen unserer Ausrüstung.

Tarierung:

Wesentlichstes Tariermittel ist das Jacket. Die heutigen Jackets sind zwar sehr robust, sie erfordern wegen der Vielzahl der damit verbundenen Komponenten trotzdem einiges an Überprüfung. Vor dem Einlagern muss das Jacket sauber und trocken sein. Um Schimmelbildung und üblen Gerüchen vorzubeugen, sollte die Blase mit sauberem Wasser, evtl. mit normalem Reinigungsmittel ausgespült und so gut wie möglich getrocknet werden. Die Benutzung von Desinfektionsmitteln ist bei herkömmlichen Jackets nicht nötig.

Bitte keine aggressiven Reiniger verwenden und die Herstellerhinweise beachten! Man tut sich beim Spülen und Trocknen übrigens leichter, wenn man die Schnellablässe und den Inflator komplett entfernt. Auch den Faltenschlauch mit Inflator spülen und auf Abnutzung/Brüche/Risse
kontrollieren.

Bei unserem Check achten wir besonders auf folgende Punkte: 

  • Sind alle Schnellablässe oder Überdruckventile mit ihren Dichtungen wieder 
    dort wo sie hingehören und festgeschraubt? 
  • Ist der Inflator ordnungsgemäß befestigt und die Funktion gecheckt? 
  • Wie ist der Zustand der Taschen, Bleitaschen, Begurtung, Schnellverschlüsse? 
  • Ist irgendwo etwas durchgewetzt, alle Schnallen in Ordnung?
  • Halten die Klettflächen noch aufeinander?
  • Bei allen Kunststoffteilen auch auf Haarrisse und Schäden achten, die oft nicht auf den ersten Blick zu sehen sind! 
  • Ist das Backpack (die Aufnahme für die Pressluftflasche) in Ordnung, insbesondere der Flaschenhaltegurt und die zugehörige(n) Schnalle(n)?

Nachdem alle Punkte zur Zufriedenheit erfüllt sind, das Jacket mit Hilfe von Inflator und Hilfsaufblasmöglichkeit (mit der Lunge) füllen. Ist die mechanische Verbindung von Inflatorschlauch und Inflator dicht (mal ein bisschen dran rütteln) und leichtgängig?
Funktioniert das Aufblasen mit dem Mund?
Jetzt mit dem Inflator solange aufblasen, bis die Überdruckventile ansprechen. Hierbei darf nichts kaputtgehen, Nähte reissen oder ähnliches. Anschließend das Jacket über Nacht gefüllt stehen lassen und am nächsten Tag kontrollieren. Es darf sich nur ein minimaler Luftverlust bemerkbar machen, ansonsten muss die Ursache für den Luftverlust gesucht und behoben werden. Reparaturen am Auftriebskörper, den Ventilen oder dem Inflator sollten einem Fachmann überlassen werden.

 

Blei/Bleigurt:

  • Er erfordert nur wenig Überprüfung.
  • Ist das Gurtmaterial in Ordnung?
  • Schnellverschluss ok?
  • Bleitäschchen für Softblei in Ordnung?

Aufgefädelte Bleistücke müssen zur Kontrolle entfernt werden.

Vorsicht, Blei ist gesundheitsschädlich. Unbehandelte Bleistücke möglichst nicht ungeschützt anfassen, danach Hände waschen (die Winterpause könnte man doch zum lackieren nutzen...)

 

Schnallen und Verschlüsse:

Am Jacket haben wir sie schon überprüft, bei genauerem Hinsehen werden wir aber noch mehr an unserer Ausrüstung bemerken: 

  • an der Maske
    (bei der Gelegenheit auch den Maskenkörper und das Glas kontrollieren) 
  • an den Flossen 
  • an den Instrumenten (Uhr, Computer, Kompass, Messer,...)

Um feine Risse oder Schäden an den Bändern entdecken zu können, müssen diese etwas gedehnt werden. Dabei besonders auf die Stellen achten, die durch die Befestigungen gefädelt sind, da hier die stärksten Belastungen auftreten. Alte oder rissige Bänder austauschen.

 

Luftversorgung:

Wir nehmen uns jetzt den Lungenautomat mit seinen Anbauteilen vor. Vor der Winterpause sollte er natürlich auch gut gespült und getrocknet werden, dabei aber darf keine Feuchtigkeit ins Innere von erster oder zweiter Stufe gelangen!.

Vor dem Entmotten sollten wir uns Gedanken darüber machen, wann die nächste Inspektion fällig ist. Die meisten Hersteller geben Intervalle zwischen einem Jahr oder ca. 100 Tauchgängen an, je nachdem was früher eintritt. Die Leistung lässt aber lt. Tests meistens schon nach ca. 60 Tauchgängen merklich nach. Darüber hinaus muss ein Atemregler gewartet werden, wenn der Verdacht besteht, dass Feuchtigkeit eingedrungen ist.

Die Frage, ob man den Lungenautomaten vor oder nach dem großen Tauchurlaub warten lassen sollte, lässt sich nicht so eindeutig beantworten. Wenn er nach dem Gebrauch im Salzwasser voraussichtlich für längere Zeit nicht benutzt wird,
empfiehlt sich auf jeden Fall eine Revision.

Was kann der Laie überprüfen? Da wären zunächst mal alle Schläuche. Sie dürfen keine Beschädigungen oder Knickstellen aufweisen. Besonders gefährdet sind die Schläuche im Bereich der Befestigung an der ersten Stufe. Hier den Knickschutz
zurückschieben und nachsehen. Ältere Schläuche können zudem porös sein und müssen dann ausgewechselt werden, das Herstellungsdatum ist in der Regel aufgedruckt. Weder erste noch zweite Stufe sollten Ansätze von Rost, Grünspan oder sonstigen Oxydationen aufweisen. Ein Blick in den Hochdruckanschluss kann grobe Verschmutzungen des Sinterfilters sichtbar machen. Die Trockensaugprobe (Lungenautomat in den Mund und kräftig saugen, dabei den Hochdruckanschluss der ersten Stufe mit einem Finger abdichten) zeigt, ob der Mitteldruckbereich dicht ist. Abschließend kann der Automat an die Flasche angeschlossen und unter Druck gesetzt werden. Danach die Flasche zudrehen, Automat nicht entlasten und das Finimeter für 5 bis 10 Minuten beobachten. Der Druck darf in dieser Zeit nicht nennenswert fallen.

Im Atemregler selbst befinden sich keine Teile, die vom Laien repariert oder gewartet werden können. Dies darf nur von geschultem Personal mit dem richtigen Werkzeug und den vom Hersteller zugelassenen Ersatzteilen geschehen.  
Der Hobbybastler sollte deshalb vom Zerlegen seines Automaten die Finger lassen.

Wer hier Fehler macht spielt mit seinem Leben!

Die Pressluftflasche braucht ebenfalls wenig Wartung. Wir können das Schutznetz und den Standfuß entfernen um Roststellen oder Lackschäden ausfindig zu machen. Bei der Gelegenheit nach dem nächsten TÜV-Termin schauen. Die Ventile sollten
leichtgängig und ohne Oxydationsspuren sein. Das Ventil muss ohne großen Kraftaufwand dicht schließen, sonst weist das auf eine defekte Unterspindel hin. Die Flasche sollte stehend gelagert werden. Der Druck ist zweitrangig, ganz leer sollte sie aber nicht sein. Selbstredend, dass Schmutz und Salzablagerungen dem Material nicht gut tun...

So, mit unserem Merkspruch sind wir durch, mit dem gesamten Equipment aber nicht. Wir haben ja noch ein paar Kleinigkeiten. Da wäre zum Beispiel:

  • Uhren und Tauchcomputer brauchen Batterien. Sind die noch fit genug? 
  • Auch einem Fini oder Tiefenmesser schadet eine Reinigung (z.B. im Ultraschall) 
    und eine Überholung nicht. 
  • Unser Anzug mag´s ebenfalls luftig und ohne Knitterstellen. Jetzt ist eine gute Zeit für kleinere Reparaturen, Kontrolle der Reißverschlüsse, Nähte usw. 
  • Tauchlampen mit Akku sollten regelmäßig geladen und nach Möglichkeit auch entladen werden.Aus batteriebetriebenen Lampen die Batterien herausnehmen. 
  • Die O-Ringe mindestens einmal jährlich austauschen.

Das hört sich ja nach ziemlich viel Arbeit an, ist aber in einer halben Stunde passiert. Soviel Zeit sollte man sich schon ab und zu mal nehmen. Einen Großteil der angesprochenen Kontrollen kann und soll man durchaus in den Pre-dive-check
mit aufnehmen. Je öfter man es macht, umso weniger Zeit braucht man dafür. Alle Ausrüstungsteile sollten trocken, staubfrei, dunkel und nicht in der Nähe von Wärmequellen gelagert werden und so, dass nichts geknickt, gestaucht oder
übermäßig gebogen oder belastet ist. Auch Ausdünstungen von Ozon (z.B. durch Drucker, Computer u.a. Elektrogeräte) und Lösungsmitteln aller Art sind Gift für Kunststoffe und können die Lebensdauer erheblich herabsetzen. Wer sich bei einzelnen Fragen mit seiner Ausrüstung nicht sicher ist, sollte ruhig jemanden fragen, der sich damit auskennt. Im Zweifelsfall ist immer ein Fachmann hinzuzuziehen bzw. derjenige, der die Ausrüstung verkauft oder zuletzt gewartet hat.

Für eure Ausrüstung habt ihr nun gut gesorgt. Denkt bitte bei den ersten Tauchgängen nach einer Pause daran, dass auch ihr ein bisschen "eingerostet" sein könnt. Es schadet deshalb ganz bestimmt nicht, die neue Saison ein bisschen langsamer angehen zu lassen und die wichtigsten Übungen ein paar mal zu wiederholen, bevor es richtig losgeht.

In diesem Sinne eine hervorragende Tauchsaison ohne negative Zwischenfälle
wünscht Euch Euer

Christian Lieb - bubblefree

 
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