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Magazin Technik Kaufberatung: Worauf es bei einem neuen Tauchanzug ankommt.

21.
Apr
2006
Kaufberatung: Worauf es bei einem neuen Tauchanzug ankommt.
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Berichte - Technik

Die Anschaffung eines Neoprentauchanzugs dürfte bei allen Tauchanfängern schon recht bald auf der Wunschliste stehen und bei Vieltauchern steht sie alle paar Jahre mit schöner Regelmäßigkeit auf dem Programm.

Neben einem gut funktionierenden Lungenautomaten spielt die Wahl des richtigen Anzugs die wichtigste Rolle wenn es darum geht, dass wir uns unter Wasser wohlfühlen. Denn nur wenn wir uns gut bewegen können und nicht frieren macht das Tauchen richtig Spaß.

Ich will hier nicht auf die verfügbare Palette vom Shorty bis zum Trockenanzug und ihre Verwendungsbereiche eingehen, die sollte jeder kennen. Hier gibts deswegen allgemein gehaltenere Hinweise als Hilfe zur Kaufentscheidung, auf Trockis gehe ich auch nicht näher ein, da sie ein Thema für sich sind.

 

Kälteschutz

Die Kälte ist unser Hauptgegner in punkto Wohlfühlen unter Wasser. Selbst in den Tropen wird es bei längeren Tauchgängen ohne Anzug unangenehm. Die vornehmste Aufgabe unseres Neoprenkondoms muss es also sein, uns warm zu halten. Und hier beginnt die verbale Materialschlacht der Hersteller, die mit zum Teil physikalisch nicht haltbaren Theorien die Vorzüge hrer Produkte anpreisen.

Isolieren gegen Kälte kann uns nur ein Luftpolster. Dies erreicht man durch die Verwendung eines künstlichen Kautschukgummis (Chloropren), der während des Herstellungsprozesses mit Treibmitteln, UV-Schützern und anderen Zutaten vermengt und anschließend in einem Ofen "aufgebacken" wird. Das Endprodukt wird dann handelsüblich Neopren© genannt. Beim Aufbacken entstehen im Material viele kleine Luftblasen die die gewünschte Isolationswirkung erzeugen. Hier zeigen sich dann erste Qualitätsunterschiede. Denn viele kleine Bläschen isolieren besser als wenige, größere. Die Materialqualität kann durch Modifikationen der Zutaten und Herstellung wesentlich beeinflusst werden (obwohl der eigentliche Grundstoff bei allen Herstellern aus Patentgründen der gleiche ist). Die Qualität des Neoprens kann ich als Endverbraucher natürlich schlecht einschätzen, es gibt aber Anzeichen, wie zum Beispiel die Dehnbarkeit und Flexibilität des Materials, die durchaus einen Vergleichsmaßstab darstellen. Ansonsten kann ich mich nur auf Herstellerangaben und den Rat meines Verkäufers verlassen.

In vielen Lehrbüchern steht zum Thema Tauchanzug irgendwo der Satz, dass das in den Anzug eindringende Wasser (ausgenommen natürlich bei Trockis) die Körperwärme isoliert. Das ist so natürlich Unsinn, wenn Wasser isolieren würde bräuchten wir ja keine Anzüge. Richtig ist dabei, dass es sich bei einem Nass- oder Halbtrockenanzug nun mal nicht ermeiden lässt, dass Wasser eindringt. Dieses (kalte) Wasser wird dann vom Körper erwärmt. Der weitere Sinn des Anzugs ist es jetzt, das eingedrungene und mühsam erwärmte Wasser wenigstens nicht mehr rauszulassen. Diese Aufgabe erledigen die Dichtmanschetten an Armen, Füßen und am Hals. Sie sind also ein weiteres wesentliches Kriterium bei der Suche nach dem richtigen Anzug. Sie müssen gut sitzen, dürfen aber nicht einschneiden. Je nach Hersteller sind sie mit Reissverschlüssen ausgestattet, einfach oder doppelt ausgeführt, oder für die Verwendung bestimmter Handschuhe ausgelegt. Wichtig: für gute Isolation sollten die Manschetten rundum aus einem Stück bestehen, glatt und anschmiegsam sein und keinen Reissverschluss haben. Die Reissverschlüsse dienen lediglich dem leichteren An- und Ausziehen. Manche Hersteller lösen dieses Problem, indem sie über eine relativ dünne, dehnbare Manschette eine zweite Lage Neopren mit Reissverschluss legen. Da die Manschetten beim An- und Ausziehen stark beansprucht werden, ist hier die regelmäßige Kontrolle von Material und Nähten besonders wichtig.

Tipp: lange Fingernägel machen besonders schöne Löcher in Neopren!

Wesentlich überbewertet werden Gimmicks wie Titan-, Aluminium- oder sonstige Bedampfungen der Innenkaschierung, die angeblich die vom Körper abgestrahlte Wärme reflektieren sollen.
Fakt ist, dass Wärmestrahlung in Nassanzügen gegenüber dem Wärmeverlust durch direkten Kontakt mit dem Wasser, sprich durch Konduktion und Konvektion, absolut vernachlässigbar ist; Wärmestrahlung spielt nur im Vakuum oder in Gasatmosphären eine Rolle. (siehe auch Praxistest von "tauchen" 5/98, oder "Rodale´s Scuba Diving" 4/01). Um so unverständlicher, dass dieses Verfahren nicht bei Trockenanzügen zum Einsatz kommt, denn hier könnte es tatsächlich etwas bringen.

Nochmal: Zum Isolieren brauchen wir ein Luftpolster, und das ist im Neopren eingeschlossen. Die Isolationswirkung hängt somit von der Dicke des Neoprens ab und nicht von irgendwelchem Weltraum-erprobtem Schnickschnack

Das glaubst du nicht? Probiers mal so aus:

Die sogenannten Rettungsdecken aus dem Verbandkasten basieren auf dem gleichen System. Solange sich zwischen Körper und Decke ein schönes Luftpolster befindet ist alles wunderbar warm. Und jetzt setz dich mal nur mit dieser Decke als Unterlage auf einen kalten Untergrund - Ergebnis?.

Dabei spielt die Innenkaschierung an sich sehr wohl eine Rolle. Sie beeinflusst wesentlich den Komfort beim An- und Ausziehen und vermindert den Wasseraustausch. Zusätzliche Unterzieher  bringen zwar kein Plus an Isolation, können aber durch Reduzierung des Wasseraustauschs einen Wärmegewinn darstellen.

 

Weitere Tipps:
  • Der Anzug muss passen! Er darf weder einengen, denn in der Tiefe schrumpft das Material noch zusätzlich, noch dürfen sich Hohlräume auftun, die später nur den Wasseraustauch begünstigen. Gute Hersteller bieten eine Vielzahl von Zwischengrößen oder auch Teilmaß- und Maßanfertigung für "Problemfiguren" an. Also unbedingt eingehend anprobieren und vergleichen.

  • Sinnvoll ist es, wenn der Rumpf durch dickeres Material besonders gut geschützt wird, und an den Extremitäten, speziell an den Gelenken, dünneres und damit flexibleres Material für mehr Bewegungsfreiheit zum Einsatz kommt. Anzugkombinationen aus Overall und Überzieher haben darüberhinaus den Vorteil, dass man mit ihnen einen weiteren
    Temperaturbereich abdecken kann, ohne einen extra Anzug kaufen zu müssen.

  • Vor dem Kauf unbedingt alle Nähte und Reissverschlüsse kontrollieren. Das vermeidet Umtauschärger, denn auch bei namhaften Herstellern kann mal was danebengehen.

  • Knie- und Ellbogenschoner sind zwar oft mit Hinweis auf den Schutz der Unterwasserwelt verpönt, haben aber ihre Berechtigung. Nicht immer gibt es schließlich einen Sandstrand oder eine Leiter zum bequemen Ausstieg. Wer erst ein paar Meter über Felsen und Geröll zurücklegen muss wird froh sein, wenn bei einem Ausrutscher nicht gleich das empfindliche Neopren in Fetzen hängt.

  • Auch wenn derzeit der Tech-black-Look noch voll in Mode ist: Signalfarben könnten bei einem abgetriebenen Taucher den Unterschied zwischen gefunden werden und nicht gefunden werden ausmachen...von rasenden Motorbootfahrern und Surfern mal abgesehen.

Was wäre sonst noch anzumerken?
Ach ja. Neopren altert. Einmal durch Luft und Sonne, mehr aber durch die Benutzung beim Tauchen und durch dieAuswirkungen des Unterdrucks beim Fliegen. Der Wasserdruck presst nämlich die Luftbläschen zusammen, wobei immer ein paar zerstört werden. Die Isolationswirkung des Anzugs nimmt also im Laufe der Zeit ab, er wird dünner und unter Umständen auch enger.

Pflege:

Nach dem Tauchgang genügt es normalerweise, den Anzug mit klarem Wasser auszuspülen. Insbesondere Salzkristalle könnten sonst beim Trocknen das Material schädigen. Für eine intensivere Reinigung kann heute bedenkenlos die Waschmaschine bis 30 Grad, aber ohne Schleudergang, verwendet werden. Es muss nicht immer Neoprenschampoo sein, normales Waschmittel tut´s auch. Zum Trocknen nicht in der prallen Sonne (kein Wäschetrockner!) und gut durchlüftet aufhängen. Reissverschlüsse brauchen ab und zu eine kleine Schmierung, am besten mit einem Wachsstift. Klettverschlüsse sauber halten.

Viel Spaß beim Anzugkauf!

 

Christian Lieb - bubblefree

 

 

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